MARJOLA Flucht vor den Elementen

Bereit für deine Wanderung ins Ungewisse?

In ferner Zukunft wandert die Herde – eine Ansammlung von Tausenden von Menschen – über den Planeten. Immer auf der Flucht vor dem Wetter. Ihr wertvollster Rohstoff: Plastik. Die siebzehnjährige Wanderin Marjola ist Teil dieser Herde. Regen, Hitze, Stürme und Erdbeben bestimmen ihr Leben. Doch das Wetter ist nicht das Einzige, das die Menschen fürchten müssen. Innerhalb der strengen Hierarchie der Herde brechen immer wieder Machtkämpfe aus, und auch von außerhalb lauern Gefahren. Die oberste Regel: Vertraue keinem Fremden. Als Marjola dem Städter Omeo begegnet, bricht sie genau diese Regel. Obwohl sie gewillt ist, ihn auf Abstand zu halten, schleicht er sich in ihr Herz. Doch ist er wirklich der nette junge Mann, der er vorgibt zu sein, oder verfolgt er in Wahrheit seine eigenen Interessen?

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Die Zeilen handeln von der Liebe zwischen einem Mann und einer Frau. Ich begreife diese altmodischen Worte kaum. Es klingt zu schön, um wahr zu sein, dass ein Mann eine Frau aus Liebe heiratet und andersherum – kaum vorzustellen. Eine Frau heiratet jemanden, der ihr einen guten Lebensstandard bietet. Männer wollen hübsche, zarte Mädchen. Ich gebe meiner Mutter Recht. Alles andere entspricht nicht der Wahrheit. 

»Das Gedicht ist eine Lüge!«, ertönt Lillits Stimme hinter mir.
Erschrocken drehe ich mich um. Wie hat sie es geschafft, den Aufseherinnen zu entgehen, und wie ist sie ins Klassenzimmer geschlüpft? Sie fordert ihr Glück heraus. 
»Wo entscheidet die Liebe, wer wen heiratet, wenn die Mädchen auf dem Heiratsmarkt an den höchst Bietenden versteigert werden?« Herausfordernd wandern ihre Augen durch die Reihen. Ist das Wahnsinn in ihrem Blick? Oder glaubt sie tatsächlich, was sie da sagt? Alle, einschließlich mir, senken die Augen auf die DV-Tafeln. Niemand antwortet. 

»Das ist so nicht richtig, Lillit«, entgegnet die Lehrerin. Ihre Stimme zittert. Das ist kein gutes Zeichen. Ich schiele nach oben. Zwischen ihren Augen hat sich eine tiefe Falte gebildet. Die linke Hand wandert zu ihrer DV-Uhr. Bei Lillit wird nicht mehr gezögert.

»Ach nein? Wie erklären Sie dann das demütigende Zurschaustellen der Mädchen mit diesen übertriebenen Kleidern auf dem Markt?« Lillit hört nicht auf, obwohl sie gesehen haben muss, dass die Lehrerin die Aufseherinnen gerufen hat.
Ich versuche, nicht hinzuhören, nicht über ihre Worte nachzudenken. Sie benutzt sie wie eine Waffe gegen das männliche Geschlecht und die Regierung. Ihr ewiger Kampf, den ich so wenig nachvollziehen kann wie ihre Abneigung gegenüber bunten Kleidern. Meine Hände sind zu Fäusten geballt. Ich bohre die Fingernägel in die Handflächen. Der Schmerz durchströmt meinen Körper – eine willkommene Ablenkung von Lillits unablässigem Gerede.

»Der Heiratsmarkt ist eine ungerechte Tradition, um uns Frauen niederzumachen, uns klein zu halten, uns zu beschämen. Wir haben keine Rechte. Wir werden wie Gegenstände behandelt! Oder finden Sie es wirklich gerecht, uns zu verkaufen?«

Verkaufen? Ich verstehe ihre Aussage nicht. Wie kann sie nur so etwas sagen? Meine Wangen werden heiß.

»Wir werden doch nicht verkauft!«, kreischt Frau Aquila. »Der Kaufpreis soll unseren Wert darstellen. Wir sind wertvoll!« 


Du siehst die Welt nicht so wie sie ist. Du siehst die Welt wie du bist. Moji